AWO 425 T & Stoye SM - das klassische Gespann

Baujahr AWO 425 1960 / Baujahr Stoye 1959

Der Dampfhammer der DDR aus der Waffenschmiede Suhl - was hat es damit auf sich? 


Im Volksmund wurde die AWO auf Grund des wuchtigen Stampfens des Motorklangs respektvoll „Dampfhammer“ genannt. Die „4“ in der Modellbezeichnung steht hier für den Viertaktmotor - das einzig verfügbare Viertakt-Motorrad neben der allerdings veralteten  EMW R 35 - die „25“ für 250 cm³ Hubraum. Aufgrund von Motorleistung und Stabilität des Rahmens ist das Motorrad seitenwagentauglich.

Das Motorrad wurde durch die Awtowelo SAG (Sowjetische Aktiengesellschaft) bzw. späteren Firmierung IFA-Betrieb Simson im thüringischen Suhl gefertigt. Die Ursprünge liegen in den nach 1945 beschlagnahmten BMW-Werk in Eisenach und der Jagdwaffenschmiede Suhl. 


Noch zu DDR-Zeiten erlangte die AWO Kult-Status – nicht zuletzt wegen des offensichtlichen Mangels moderner Viertakt-Motorräder. Technisch war das Motorrad an der BMW R 23 angelehnt. 

Ab 1955 verfügte die AWO 425 über drei Rahmenaufnahmen zur Schnellmontage des legendären Stoye-Seitenwagen Stoye SM (Spitzschiff ohne abschließbarem Kofferraum). 


Und wie fährt sie sich? Das Fahrgefühl kann man nicht beschreiben…. und schon gar nicht vergleichen mit Krädern der Neuzeit, die mit ABS, flatternden Kurzhub, ASR und Kat auf den Strassen rollen. Es ist eine wahre Zeitmaschine, die den Fahrer in den Zauber der 50er und 60er zurück katapultiert.

Technisches Datenblatt 

AWO 425 T
Produktion: SAG AWTOWELO (Sowjetische Aktiengesellschaft Autorad), Suhl; ab 1957 VEB Fahrzeug- und Gerätewerk SIMSON Suhl

Bauart: geschweißter, geschlossener Stahlrohrahmen mit doppeltem Unterzug, Anzahl der Sitze 1 + 1

Motor: 247 cm3, Viertakt, Einzylinder stehend,  Hub 68 mm, Druck-Umlaufschmierung, Ventilanordnung hängend, Luftkühlung, BVF Nadeldüsenvergaser

Getriebe: 4-Gang Fussschaltung, Hinterradantrieb durch Gelenkwelle
Hinterradantrieb: spiralverzahnter Kegelradantrieb mit Klingelnberger Palloidverzahnung
Fahrwerk: Vorderradgabel Teleskopfederung, Hinterradaufhängung Geradweg-Teleskopfederung, Einscheiben- Trockenkupplung, Innenbackenbremsen, Draht-Speichenräder 19 Zoll

Leistung: 9 kW (12 PS) bei 5500/min
Höchstgeschwindigkeit: 103 km/h

Länge x Breite x Höhe: 2,11 m x 0,72 m x 0,95 m

Gewicht: 140 kg

Radstand: 1,36 m

Verbrauch: ca. 3,3 l/100 km

Bauzeitraum: 1950 bis 1960 AWO Touren 124.000 Stück / 1956 bis 1961 AWO Sport 84.000 Stück

Neupreis: 2.420 DDR Mark

Stoye SM
Produktion: Stoye-Fahrzeugbau Leipzig; 1925 bis 1990, ca. 300.000 Stück

Bauart: ca. 300 verschiedene Seitenwagenmodelle über den Zeitraum
Anschluss: Kugelschnellanschluss (Patent 1929) und verstellbare elastische Mittelstrebe